Von der Kunst zu schreiben und Geschichten zu erzählen

Sprache begleitet den Menschen von Anfang an. Sie ist Mittel
der Verständigung, des Ausdrucks und der Erkenntnis. In ihr heben wir unsere Geschichte auf, mit ihr drücken wir unsere Emotionen aus, sie lässt uns Kontakt aufnehmen und Wissen aneignen. Sie lässt sich formen und prägen, sie bezaubert und sie verführt uns. Wir bereisen fremde Kontinente mit ihr und erobern das Reich der Phantasie. Sie nimmt uns in Geschichten mit, die immer auch die unseren sind und doch so fremd, dass wir uns darin vergessen können. Beim ersten Wort, das ein kleiner Mensch spricht, sind wir gerührt wie bei seinem ersten Lachen.
Und dabei ist Sprache immer in Bewegung, im Fluss. Wenn wir sie zwingen wollen, wird sie steif, solange, bis wir es wieder aufgeben. So allgemein verbindlich sie ist, so individuell setzen wir sie ein.
Wir träumen mit ihr und wir prägen unsere Wirklichkeit mit ihr. Sprache ist der Code der Gedankenwelt, und weil sie mehr ist als das bloße Wort, führt sie uns in den dahinter liegenden Sinn. Sie macht das alles kostenlos, sie dient uns als Werkzeug seit Jahrtausenden, dabei ist sie viel mehr als nur ein Instrument.
Sie ist Klang und Rhythmus, sie ist so eng mit der Erde verbunden, dass jeder Landstrich seine eigenen Nuancen ausprägt, und trotzdem schließt sie uns zugleich den Himmel auf und umarmt die ganze Welt.
"Im Anfang war das Wort", heißt es im Johannes Evangelium – wie genau die Sprache doch ist: es heißt im Anfang und nicht am! Denn es war ein "Raum", kein Punkt, an dem es plötzlich losging. Heute erforschen Kosmologen diesen Anfang, und das Unglaubliche wird für wahr befunden: die allerkleinste, materielose Einheit, die unser Universum zusammenhält, ist Information, ist Nachricht. Durch einen einzigen, so winzig kleinen Unterschied hatte uns die Sprache das schon längst verraten.
Ein ganzes Weltbild kann kippen mit nur einem Wort.
Dennoch: So sehr die Sprache sich uns auch offenbart, sie gibt doch niemals ihr Geheimnis preis.

Die Sprache zu beherrschen, ist ein hohe Kunst und wie jede Kunst auch eine große Lust.
Die Seminare sind eine Einweihung in die Kunst des Schreibens und Geschichtenerzählens. Denn was das Wort im Kleinen ist, das ist die Geschichte im Großen: ein ganzes Universum. In diesem Geschichtenkosmos werden wir uns bewegen lernen.
Wir betreten ihn, wir orientieren uns in ihm, wir schreiben ihn aus, wir verlassen ihn.
Und dann werden wir ihn herzeigen, die Begegnung zulassen.
Jede Form von Kunst, jeder kreative Akt, ist Ausdruck unseres Lebens. Schulen wir die Kunst des Schreibens, schulen wir auch unser Bewusstsein. Und das alles hat keineswegs nur mit dem Verstand zu tun, denn die rechten Worte kommen von Herzen. Darum hat Schreiben auch etwas mit Lieben zu tun, es ist Lieben bei vollem Verstand.

Viele Menschen möchten gerne schreiben und finden keine Zeit dafür. Reisen ist vielleicht die schönste Form, sich dieser Kunst zu überlassen, sich ihr anzuvertrauen.
Denn Schreiben ist dem Reisen ähnlich. Es führt uns weg und doch zugleich auch zu uns hin.

Während das Seminar in Kroatien den Schwerpunkt auf das Handwerk des Erzählens legt, richtet sich das Seminar in Griechenland an Menschen, die sich mittels des Schreibens auch bewusst selbst weiter entwickeln wollen. Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen, beide Seminare sind sowohl für Anfänger als auch für Schreiberfahrene geeignet.

Dasselbe gilt auch für die Intensiv-Seminare „Narrare - Die Geschichte seines Lebens schreiben“, im ZIST, Penzberg bei München.
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