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Hubert Winkels Meine sehr geehrten Damen und Herren, Nur um diese spezielle Komplikation von Literarischem und Persönlichem, von Text und Leben, von Fiktion und Biographie zu verdeutlichen, möchte ich zuerst einen signifikanten Charakterzug der langjährigen Bekannten, der Kollegin und schließlich Freundin Liane Dirks beschreiben. Und zwar ihre Strenge. Die ist nun gar nicht so ohne weiteres sichtbar. Liane Dirks hat ein wunderbares Lachen, das von Grund auf sympathetisch ist, sich aber zu einem ganz autonomen Affektausdruck weiterentwickeln kann. Es kann einen Tisch überschwemmen und einen Raum vollständig ausfüllen. Es kann herrschen wie eine Reihe von Ausrufezeichen, um sogleich wieder zurück zu kehren zum anderen, von dem es ausging oder dem es gelten soll. Es ist ein starkes Lachen, ein souveränes Lachen, ein Lachen ohne Unsicherheit. Das müssen Sie mir nun erst einmal einfach glauben. Eine andere Beobachtung können Sie gleich selbst überprüfen. Liane Dirks ist eine hervorragende Vorleserin, zumal ihrer eigene Texte. Sie liest laut, klar und entschieden, ihre Intonation ist auch im professionellen Sinn des Wortes bühnenreif. Ich habe immer den Eindruck, dass der Artikulationsapparat selbst in freudige Erregung gerät, so vollständig und gezielt eingesetzt zu werden. Und die Texte unter dieser Stimme jubeln über die beherrschte Kraft, mit der sie zum ästhetischen Genuss gebeten werden. Was diese Vorlesestimme sich aber nie erlaubt, sind Sentimentalitäten und Gefühlsschwächen; emotionale Grauzonen hellt sie auf, Unsicherheiten werden zu disktinkten Fragen. Was immer die Botschaft des Textes ist, die Botschaft der Stimme ist Klarheit und Sicherheit, Souveränität. Ich nenne sie hier Strenge im Sinne der Mittel- und a fortiori Selbstbeherrschung. Warum sind mir diese Beobachtungen so wichtig auf einem genuin literarischen
Feld, einem Kontext von Texten, in einer notorischen literaturbetrieblichen
Rückkoppelungssituation wie einer Laudatio? |
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